Kurz: was du stattdessen tust
- Geräte unter 25 Zentimetern nimmt jeder größere Elektromarkt kostenlos an, ohne dass du etwas kaufst, bis zu drei Stück je Geräteart.
- Auch Supermärkte und Discounter ab 800 Quadratmetern müssen zurücknehmen, wenn sie mehrmals im Jahr Elektrogeräte verkaufen.
- Onlinehändler sind ebenfalls verpflichtet: bei großen Geräten mit Abholung, bei kleinen mit einer Rückgabemöglichkeit in zumutbarer Entfernung.
- Der Wertstoffhof nimmt alles, kostenlos und ohne Größengrenze.
- Sammelaktionen für Handys verschicken weiterhin kostenlose Versandmarken.
Was ElectroReturn war
Ab 2005 konnte man kleine Elektrogeräte in einem Maxibrief zur Deutschen Post geben und portofrei zum Recycling schicken. Handys, Rasierer, Kopfhörer, MP3-Player: alles, was in ein Kuvert von 353 mal 300 mal 50 Millimetern passte. Der Service war bequem, weil er ohne Weg auskam, und er war umsonst.
Zum 31. März 2019 wurde er eingestellt. Die Post nannte dafür den regulatorischen Aufwand, die geringe Nutzung und die Tatsache, dass inzwischen andere Rücknahmesysteme existierten. Das letzte Argument ist das entscheidende, denn genau die sind seither deutlich ausgebaut worden.
Der Ersatz steht heute im Gesetz, nicht im Angebot eines Unternehmens. ElectroReturn war ein freiwilliger Service, den die Post jederzeit beenden konnte, und genau das ist passiert. Die Rücknahmepflichten des Elektrogesetzes gelten dagegen für alle Händler ab einer bestimmten Größe. Sie können nicht eingestellt werden, und sie kosten dich nichts.
Die Alternativen im Einzelnen
1. Rückgabe im Elektromarkt, ohne etwas zu kaufen
Das ist der direkteste Ersatz. Händler mit mindestens 400 Quadratmetern Verkaufsfläche für Elektrogeräte müssen Altgeräte zurücknehmen, die in keiner Abmessung größer als 25 Zentimeter sind, und zwar ohne Kaufverpflichtung. Begrenzt ist das auf drei Geräte je Geräteart.
Praktisch heißt das: Föhn, Rasierer, Handy, Kopfhörer, Router, Küchenwaage, Fernbedienung, alles das kannst du beim nächsten Einkauf im Elektromarkt abgeben. Die Sammelbehälter stehen meist im Eingangsbereich oder am Servicetresen.
2. Supermarkt und Discounter
Seit der Novelle des Elektrogesetzes gilt die Pflicht auch für den Lebensmitteleinzelhandel: ab 800 Quadratmetern Gesamtverkaufsfläche, sofern der Laden mehrmals im Jahr Elektrogeräte anbietet. Auf die trifft bei den meisten Ketten mit ihren wechselnden Aktionswaren zu.
Das ist der praktisch nächstgelegene Weg, weil man ohnehin dort ist. Die Sammelboxen sind allerdings kleiner und werden nicht überall gleich sichtbar aufgestellt, oft stehen sie neben dem Pfandautomaten oder am Infopunkt.
3. Onlinehandel
Wer online kauft, kann auch online zurückgeben. Beim Versandhandel zählen alle Lager- und Versandflächen als Verkaufsfläche, damit fallen praktisch alle größeren Onlinehändler unter die Pflicht.
Die Umsetzung unterscheidet sich nach Gerätegröße: Bei Großgeräten aus den Kategorien Wärmeüberträger, Bildschirme und Großgeräte muss der Händler eine kostenlose Abholung anbieten. Bei kleineren Geräten reicht eine Rückgabemöglichkeit in zumutbarer Entfernung, das kann eine Partnerannahmestelle oder ein Versandetikett sein.
Der Haken: Man muss danach fragen. Die Angebote sind selten prominent verlinkt, meist stehen sie unter „Entsorgungshinweise" oder „Altgeräterücknahme" im Fußbereich.
4. Wertstoffhof und kommunale Sammlung
Die Rückfallebene für alles, was zu groß, zu alt oder zu kaputt ist. Der Hof nimmt Elektroaltgeräte in Haushaltsmengen kostenlos an, ohne Größenbegrenzung und ohne Nachweis, wo das Gerät gekauft wurde. Viele Kommunen haben zusätzlich Sammelstellen für Kleingeräte in Rathäusern oder Bibliotheken. Mehr dazu unter Wertstoffhof.
5. Sammelaktionen mit Versandmarke
Für Althandys gibt es weiterhin Sammlungen von Umwelt- und Naturschutzverbänden, die kostenlose Versandmarken oder Sammelboxen bereitstellen. Das kommt ElectroReturn am nächsten, ist aber auf Handys und kleine Mobilgeräte beschränkt. Die Erlöse fließen in Naturschutzprojekte.
Was du vorher tun solltest
- Daten löschen. Werkseinstellungen zurücksetzen reicht bei aktueller Verschlüsselung, bei alten Geräten ohne Verschlüsselung ist das unsicherer. SIM- und Speicherkarten immer entnehmen.
- Batterien und Akkus heraus, wo sie sich zerstörungsfrei entnehmen lassen. Sie gehören in die Batteriesammlung. Fest verbaute Akkus bleiben drin, dann bei der Abgabe darauf hinweisen.
- Aufgeblähte Lithium-Akkus nicht verschicken und nicht in eine Sammelbox werfen. Sie gehören direkt zur Schadstoffannahme, dort weiß man damit umzugehen.
- Prüfen, ob das Gerät wirklich hin ist. Ein Handy mit schwachem Akku ist ein Reparaturfall, kein Abfall. Funktionierende Geräte sind auf dem Gebrauchtmarkt oder in Spendenaktionen mehr wert als im Schredder.
Warum das alles kostenlos ist
Die Rücknahme wird nicht aus Freundlichkeit angeboten, sondern über die Herstellerverantwortung finanziert. Wer Elektrogeräte in Verkehr bringt, zahlt für die spätere Entsorgung mit, das steckt im Kaufpreis. Ein Gerät in den Restmüll zu werfen, spart dir also nichts, es entzieht dem System nur die Rohstoffe, für deren Rückgewinnung längst bezahlt wurde.
Und die Rohstoffe sind der Punkt: In einer Tonne Althandys steckt mehr Gold als in einer Tonne Golderz. Im Restmüll landet beides in der Verbrennung.