Kurz gesagt
- Bis etwa einen Kubikmeter nimmt der Wertstoffhof die Platten an.
- Größere Mengen kommen in einen Container für Baumischabfall, nicht in den Bauschutt-Container.
- Nicht in den Restmüll und nicht selbst verbrennen.
- Die Platte selbst enthält kein Asbest. Putz, Spachtel und Kleber darauf können es bei Bauten vor 1993 aber sehr wohl.
Bauschutt, Baumischabfall oder doch die Tonne?
Heraklithplatten bestehen aus langfaseriger Holzwolle, die mit einem mineralischen Bindemittel verpresst wird, meist Zement, Gips oder Magnesit. Weil ein organischer Anteil enthalten ist, zählen sie nicht als Bauschutt, auch wenn sie sich so anfühlen. Bauschutt ist rein mineralisch: Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik.
Diese Unterscheidung kostet bares Geld. Wer Heraklith in einen Bauschutt-Container wirft, verunreinigt die ganze Ladung, und die wird dann als teurerer Baumischabfall abgerechnet. Richtig ist von vornherein ein Container für Baumischabfall.
Für die Restmülltonne sind die Platten zu sperrig und zu schwer, für die Müllverbrennung zu schwer entflammbar. Damit bleiben genau zwei Wege, und welcher es wird, entscheidet die Menge.
Kleine Mengen: der Wertstoffhof
Die meisten Kommunen nehmen Bauabfälle aus Privathaushalten in haushaltsüblichen Mengen an. Üblich ist eine Grenze von einem Kubikmeter, das entspricht etwa einer vollen Mülltonne. Manche Höfe setzen die Grenze deutlich niedriger an, auf einer Insel wie Wangerooge sind es zum Beispiel nur 0,5 Kubikmeter je Abfallart.
Ruf vorher an. Viele Annahmestellen verlangen eine Voranmeldung, rechnen nach Gewicht ab oder nehmen Baumischabfall grundsätzlich nicht an. Berlin ist so ein Fall: Die städtischen Recyclinghöfe nehmen keinen Baumischabfall, dort führt der Weg direkt zum gewerblichen Containerdienst.
Größere Mengen: der Container
Bei einer kompletten Deckenverkleidung kommt schnell mehr zusammen, als der Hof annimmt. Dann bestellst du einen Container für Baumischabfall. Wichtig ist die saubere Trennung: Landet Sondermüll oder asbestverdächtiges Material im selben Container, wird die gesamte Ladung als gefährlicher Abfall abgerechnet.
Klebt noch Putz oder Styropor daran? Putzreste sind unproblematisch, sie gehören ohnehin zum Baumischabfall. Aufgeklebtes Styropor macht die Platte zum Verbundstoff und verteuert die Entsorgung spürbar. Lässt es sich mit vertretbarem Aufwand abziehen, lohnt sich die Mühe.
Enthalten Heraklithplatten Asbest?
Die Platte selbst nicht. Holzwolle-Leichtbauplatten wurden nie mit Asbest versetzt, anders als viele andere Baustoffe aus den Sechzigern bis Achtzigern.
Das ist aber nur die halbe Antwort, und die andere Hälfte ist die wichtigere: Was auf und unter der Platte sitzt, kann sehr wohl Asbest enthalten. Spachtelmassen, Kleber, Putze und Beschichtungen aus der Zeit vor dem Asbestverbot im November 1993 sind ein bekanntes Risiko. Wer eine Verkleidung aus einem Gebäude dieser Baujahre herunterholt, arbeitet also nicht automatisch gefahrlos, nur weil die Platte selbst harmlos ist.
Sicherheit bringt nur eine Materialprobe im Labor. Bestätigt sie den Verdacht, ist die Entsorgung Sache eines zugelassenen Fachbetriebs und unterliegt eigenen Vorschriften. Diese Kosten sind unangenehm, aber deutlich kleiner als die Folgen einer Faserfreisetzung in der eigenen Wohnung.
Was kostet die Entsorgung?
Die Preise schwanken regional erheblich, weil jeder Landkreis eigene Gebühren festsetzt. Die folgenden Werte sind Anhaltspunkte für eine erste Kalkulation.
| Weg | Menge | Kosten |
|---|---|---|
| Wertstoffhof | bis 1 m³ | 0 bis 40 € |
| Container Baumischabfall | 3 m³ | 190 bis 320 € |
| Container Baumischabfall | 7 m³ | 320 bis 550 € |
| Aufschlag bei Verbundstoffen | je Container | ab 60 € |
| Materialprobe Asbest im Labor | je Probe | 30 bis 60 € |
Müssen die Platten überhaupt heraus?
Nicht zwingend. Verputzt dämmen Heraklithplatten weiterhin, sie schlucken Schall und geben eine tragfähige Grundlage für Putz ab. Selbst als Untergrund im Schuppen taugen sie noch. Jede Platte, die verbaut bleibt, kostet nichts, belastet keinen Container und setzt keine Fasern frei.
Gegen einen Verbleib spricht nur ein konkreter Grund: Feuchteschaden, Schimmel, ein Umbau, der die Fläche ohnehin öffnet, oder ein bestätigter Asbestbefund in der Beschichtung.
Häufige Fragen
Sind Sauerkrautplatten und Heraklithplatten dasselbe?
Ja. Sauerkrautplatte ist der umgangssprachliche Name für die Holzwolle-Leichtbauplatte, die wegen ihrer faserigen Oberfläche so heißt. Heraklith ist eigentlich ein Markenname, wird aber wie eine Gattungsbezeichnung verwendet. Für die Entsorgung macht das keinen Unterschied.
Darf ich Heraklithplatten im Kamin verbrennen?
Nein. Der mineralische Anteil verbrennt nicht, und für eine Verbrennung im Ofen sind die Platten ohnehin zu schwer entflammbar. Dazu kommt: Was an Putz oder Kleber daran haftet, gehört erst recht nicht in eine Feuerstelle. In Privathaushalten ist das Verbrennen von Bauabfällen nicht zulässig.
Wie viel wiegt ein Kubikmeter Heraklithplatten?
Je nach Bindemittel und Plattenstärke liegt die Rohdichte zwischen etwa 350 und 570 Kilogramm pro Kubikmeter. Rechne also grob mit einer halben Tonne pro Kubikmeter, wenn der Wertstoffhof nach Gewicht abrechnet.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Abfallverzeichnis-Verordnung, Anlage zu § 2 Absatz 1
- Heraklith entsorgen, Abfall-ABC
- Abfall-ABC des Landkreises Friesland: Holzwolleleichtbauplatten
Zuletzt geprüft am 8. August 2026. Kommunale Satzungen können abweichen, verbindlich ist die Abfallsatzung deines Landkreises.
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