Kurz gesagt
- Immer staubdicht verpackt transportieren, üblich sind KMF-Säcke oder Big Bags aus dem Baumarkt.
- Kleine Mengen nimmt der Wertstoffhof an, meist gegen eine Gebühr von etwa 15 bis 20 Euro.
- Wolle von vor 1996 gilt als alte Mineralwolle, ihre Fasern sind als krebserzeugend Kategorie 2 eingestuft.
- Nicht in den Bauschutt: Glaswolle ist zwar mineralisch, aber kein verwertbarer Bauschutt und verunreinigt die Ladung.
Alt oder neu? Diese Frage entscheidet alles
Die Fachwelt unterscheidet zwischen alter und neuer Mineralwolle, und die Grenze liegt bei zwei Jahreszahlen.
Vor 1996 eingebaut: Die TRGS 521 sagt ausdrücklich, dass bei Wolle aus dieser Zeit von alter Mineralwolle auszugehen ist. Ihre Fasern sind biopersistent, bleiben also in der Lunge, und die freigesetzten Stäube sind als krebserzeugend Kategorie 2 eingestuft.
Seit Juni 2000 gilt ein Herstellungs- und Verwendungsverbot für alte Mineralwolle. Was danach verbaut wurde, ist biolöslich, wird vom Körper also wieder abgebaut, und gilt als nicht krebserzeugend. Solche Ware trägt meist ein RAL-Gütezeichen oder einen Vermerk zur Biolöslichkeit.
Zwischen 1996 und 2000 liegt eine Grauzone, in der beides verbaut wurde. Weißt du das Einbaujahr nicht oder fällt es in diesen Zeitraum, behandle die Wolle wie alte Wolle. Das ist der einzig verantwortbare Weg, und der Aufpreis ist kleiner als das Risiko.
Für Arbeiten mit alter Mineralwolle gilt die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 521. Sie wurde am 4. Mai 2026 vollständig neu gefasst und heißt seither „Tätigkeiten mit alter Mineralwolle". Der frühere Zuschnitt auf Abbruch- und Sanierungsarbeiten ist entfallen, die Regel gilt jetzt für jede Tätigkeit damit. Die Schutzmaßnahmen staffeln sich nach drei Expositionskategorien, in der höchsten sind Schutzanzug Typ 5 und arbeitsmedizinische Vorsorge verpflichtend.
Verpacken ist Pflicht
Glaswolle darf nicht offen transportiert oder angeliefert werden, weil beim Bewegen ständig Fasern freigesetzt werden. Nötig sind KMF-Säcke oder Big Bags, die es in jedem Baumarkt gibt. Ein Sack kostet ab etwa drei Euro.
Beim Befüllen gilt: nicht stopfen, nicht zusammendrücken, den Sack sauber verschließen. Wertstoffhöfe und Containerdienste weisen offene oder aufgerissene Ladung zurück, und das zu Recht.
Schutz beim Ausbau: Langärmlig arbeiten, Handschuhe, Schutzbrille und mindestens eine FFP2-Maske. Die Wolle vorher leicht anfeuchten, dann staubt sie weniger. Nach der Arbeit kalt duschen, damit sich die Poren nicht öffnen, und die Arbeitskleidung getrennt waschen. Der Juckreiz kommt nicht von einer Allergie, sondern von feinen Faserenden in der Haut.
Wohin damit?
Kleine Mengen: Wertstoffhof
Viele kommunale Höfe nehmen ein bis zwei Kubikmeter von Privatpersonen an. Die Gebühr liegt häufig bei 15 bis 20 Euro, dazu kommen die Säcke. Ruf vorher an: Nicht jeder Hof nimmt Mineralwolle, und die Mengengrenzen sind unterschiedlich.
Größere Mengen: Container
Bei einer Dachsanierung reicht der Kofferraum nicht. Dann bestellst du einen Container speziell für Mineralfaserabfälle. Rechne insgesamt mit 100 bis 500 Euro, abhängig von Menge, Einstufung und Deponiegebühren der Region. Wichtig: Der Container darf ausschließlich Mineralwolle enthalten. Jede Beimischung macht ihn teurer.
Warum nicht in den Bauschutt?
Weil Bauschutt zu Recyclingschotter aufbereitet wird und Fasern das unmöglich machen. Glaswolle ist zwar mineralisch, aber nicht verwertbar. Sie wird deponiert, und dafür braucht es einen eigenen Weg.
Was ist der Unterschied zu Steinwolle?
Glaswolle wird aus geschmolzenem Altglas und Sand hergestellt und ist meist gelblich. Steinwolle entsteht aus Basalt oder Diabas, ist gräulich und etwas fester. Abfallrechtlich werden beide gleich behandelt, deshalb gilt alles auf dieser Seite auch für Steinwolle. Der Oberbegriff für beides ist Dämmwolle oder künstliche Mineralfaser, kurz KMF.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob meine Glaswolle alt oder neu ist?
Neue Ware trägt meist ein RAL-Gütezeichen „Erzeugnisse aus Mineralwolle" oder einen Hinweis zur Biolöslichkeit auf der Verpackung oder dem Aufdruck. Fehlt beides und stammt das Material sichtbar aus einem Altbau, geh von alter Wolle aus. Eine sichere Unterscheidung mit bloßem Auge gibt es nicht.
Darf ich Glaswolle in den Restmüll geben?
Nein. Selbst kleine Mengen gehören nicht in die Restmülltonne, weil die Fasern beim Verdichten im Müllfahrzeug freigesetzt werden. Auch der Gelbe Sack ist falsch, Glaswolle ist keine Verpackung.
Kann Glaswolle recycelt werden?
Praktisch kaum. Es gibt einzelne Rücknahmeprogramme von Herstellern für sortenreine Verschnittreste vom Neubau, aber ausgebaute Wolle aus einer Sanierung geht in aller Regel auf die Deponie. Genau das macht die Entsorgung vergleichsweise teuer.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Abfallverzeichnis-Verordnung, Anlage zu § 2 Absatz 1
- TRGS 521: Tätigkeiten mit alter Mineralwolle, Fassung vom 4. Mai 2026PDF
- TRGS 521, Nummer 2.3: Begriffsbestimmung alte Mineralwolle
Zuletzt geprüft am 8. August 2026. Kommunale Satzungen können abweichen, verbindlich ist die Abfallsatzung deines Landkreises.