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Wohin kommt der Müll?

98 Prozent des Haushaltsmülls gelten als verwertet, aber nur 68 Prozent davon stofflich, also als Material für Neues. Der Rest geht als Brennstoff in die Anlage. Beides stimmt gleichzeitig, und deshalb ist „alles wird verbrannt“ ebenso falsch wie „alles wird recycelt“.

Die Zahl, die in die Irre führt

Im Jahr 2023 fielen nach Angaben des Umweltbundesamtes 43,9 Millionen Tonnen haushaltstypische Siedlungsabfälle an, das sind 519 Kilogramm je Einwohner. Im Jahr 2000 waren es 37,6 Millionen Tonnen und 458 Kilogramm. Davon wurden 2023 98 Prozent verwertet, im Jahr 2000 erst etwa 51 Prozent. Das klingt nach einem gelösten Problem.

Der Satz geht aber weiter: Von diesen 98 Prozent wurden 68 Prozent stofflich verwertet. Der Begriff „Verwertung“ im Abfallrecht umfasst mehr als Recycling. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz ordnet in § 6 fünf Stufen: Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung, insbesondere energetische Verwertung, und zuletzt Beseitigung. Wer Müll in einer Anlage verbrennt und dabei Strom oder Wärme gewinnt, hat ihn verwertet, aber nicht recycelt. Die Lücke zwischen den beiden Zahlen ist also im Wesentlichen das, was als Brennstoff endet. Diese Gleichsetzung steht so nicht im UBA-Text, sie ergibt sich aus der Abfallhierarchie.

Was mit dem Restmüll passiert

Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle gingen von 18,0 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf 14,3 Millionen Tonnen im Jahr 2023 zurück. Im selben Zeitraum stieg die getrennt gesammelte Menge, also Glas, Papier, Verpackungen und anderes, von 13,5 auf 16,9 Millionen Tonnen. Mehr Trennung hat den Restmüll tatsächlich verkleinert.

Was in der Restmülltonne landet, wird nicht mehr deponiert wie früher. Seit Mitte 2005 dürfen nicht vorbehandelte organische Abfälle nicht mehr auf Deponien. Organisches muss vorher mechanisch-biologisch oder thermisch behandelt werden, damit auf der Deponie weniger Sickerwasser und Deponiegas entsteht. Für den Haushaltsrestmüll bedeutet das meist die Müllverbrennungsanlage, welchen Weg ein Träger wählt, entscheidet er selbst. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass für diese Anlagen strenge Standards zur Luftreinhaltung gelten.

Und die Gelbe Tonne?

Das ist die verbreitetste Vermutung: Das Sortieren sei sinnlos, am Ende werde alles verbrannt. Das Umweltbundesamt und die Zentrale Stelle Verpackungsregister haben dazu im Januar 2026 neue Zahlen vorgelegt. Danach wurden 2024 rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus der Sammlung der dualen Systeme verwertet. Die werkstoffliche Quote bei Kunststoffverpackungen stieg von 42 Prozent im Jahr 2018 auf 70 Prozent, und mehr als die Hälfte des Inhalts der Gelben Tonne ging ins Recycling.

Das ist nicht das ganze Bild. Dieselben Stellen räumen ein, dass drei von acht Recyclingquoten verfehlt wurden, und zwar die für Getränkekartons, Glas und Verbundverpackungen. Und was nicht recyclingfähig ist, oder was nicht hineingehört, wird überwiegend verbrannt. Die gesetzliche Zielquote bezieht sich auf die gesamte Sammelmenge einschließlich der Fehlwürfe. Wer also mehr falsch einwirft, drückt die Quote, ohne dass an der Anlage etwas besser werden könnte. Nach Aussage des UBA kann selbst die leistungsfähigste Sortieranlage aus Turnschuhen, Staubsaugerbeuteln und Schwimmflügeln keinen Neukunststoff gewinnen. Für genau solche Fälle gibt es Seiten wie Schuhe und Staubsaugerbeutel.

Altglas bleibt getrennt

Hartnäckig hält sich die Annahme, der Müllwagen kippe Weiß-, Grün- und Braunglas wieder zusammen. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister widerspricht: Die drei Farben bleiben von der Sammlung bis in die Glashütte getrennt, moderne Sammelfahrzeuge haben dafür getrennte Kammern. Dass die Farbtrennung dennoch wichtig bleibt, liegt daran, dass sich sortenrein erfasstes Behälterglas mehrfach im Kreislauf führen lässt. Das UBA nennt zudem erhebliche Energieeinsparungen gegenüber der Neuproduktion.

Warum trennen, wenn ein Teil ohnehin verbrannt wird?

Weil die Stufen der Abfallhierarchie nicht gleichwertig sind. Verbrennung nutzt den Stoff einmal als Energie, Recycling hält ihn im Kreislauf. Das Gesetz stellt das Recycling deshalb höher und verlangt vom Träger, bestimmte Fraktionen getrennt zu sammeln. Außerdem zählen Fehlwürfe in die Quote mit, und was falsch eingeworfen wird, geht dem Recycling verloren.

Der größte Hebel liegt vor der Tonne: Das Gesetz nennt Vermeidung als erste Stufe und Wiederverwendung als zweite. Was nie zu Abfall wird, braucht weder Sortieranlage noch Verbrennung. Wer nachschauen will, wohin ein bestimmter Gegenstand gehört, findet die Übersicht aller Gegenstände von A bis Z, die Zuordnung der Tonnen auf Welche Tonne für was?, und für Pfandflaschen die Seite Pfand.

Quellen

  1. AbfallaufkommenUmweltbundesamt, Daten des Statistischen Bundesamtes bis 2023. 43,9 Millionen Tonnen haushaltstypische Siedlungsabfälle, 98 Prozent verwertet, davon 68 Prozent stofflich; Hausmüll 14,3 Millionen Tonnen; Deponieverbot seit Mitte 2005.
  2. Verwertungsquoten der wichtigsten AbfallartenUmweltbundesamt. Recyclingquote der Siedlungsabfälle 2023 bei 68 Prozent, Ziel der Bundesregierung 65 Prozent.
  3. Mit Fakten gegen Mythen: Das Recycling von Verpackungsabfällen in Deutschland funktioniertZentrale Stelle Verpackungsregister und Umweltbundesamt, Jahrespressekonferenz 27. Januar 2026. Zahlen zu 2024, Kunststoffquote, Gelbe Tonne, Altglas.
  4. Kreislaufwirtschaftsgesetz § 6, AbfallhierarchieBundesministerium der Justiz. Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung, Beseitigung.

Die Zahlen beschreiben bundesweite Mittelwerte. Was in deinem Landkreis mit dem Restmüll geschieht, entscheidet der örtliche Entsorgungsträger.

Etwas stimmt nicht? Falsche Tonne, veraltete Rechtsangabe, ein Wertstoffhof, den es nicht mehr gibt: Sag Bescheid, wir sehen nach.

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