Kurz gesagt
- Erst den Wert prüfen. Vinyl hat einen echten Gebrauchtmarkt, anders als CDs. Das ist bei Schallplatten die wichtigere Frage.
- Platten, die niemand mehr will, sind Restmüll — erlaubt, aber bei größeren Mengen ist der Wertstoffhof besser.
- Nicht in den Gelben Sack oder die Wertstofftonne. Eine Platte ist keine Verpackung, sondern ein Datenträger.
- Die Hülle gehört ins Altpapier, die Innenhülle aus Folie in den Gelben Sack.
Die Frage vor der Frage: Ist das etwas wert?
Bei kaum einem anderen Haushaltsgegenstand ist die Entsorgung so oft der falsche Weg. Vinyl hat einen lebendigen Gebrauchtmarkt, und zwar seit Jahren wieder wachsend. Das unterscheidet Schallplatten grundlegend von CDs und DVDs, für die es praktisch keinen Markt mehr gibt, obwohl beide Tonträger sind.
Woran sich ein Blick lohnt, bevor die Kiste zum Hof fährt:
- Erstpressungen und frühe Ausgaben sind das, worauf Sammler achten. Hinweise darauf stehen im Auslaufrillenbereich zwischen letzter Rille und Etikett, dort sind Matrizennummern eingeprägt.
- Der Zustand entscheidet mehr als das Alter. Eine verkratzte Platte eines gesuchten Titels bringt weniger als eine saubere eines verbreiteten. Entscheidend ist die Rillenoberfläche, nicht die Hülle.
- Nischen zahlen besser als Hits. Von den großen Verkaufserfolgen der Siebziger existieren Millionen Exemplare, die sind praktisch wertlos. Gesucht sind Jazz, früher Soul, Krautrock, Punk-Kleinauflagen und Klassik in guten Pressungen.
- Ganze Sammlungen kaufen viele Plattenläden an, teils mit Besichtigung vor Ort. Das ist bei mehreren hundert Platten der sinnvollste Weg, weil Einzelverkauf Wochen dauert.
Preise nennen wir hier nicht, weil sie je Titel um Größenordnungen auseinandergehen. Eine Suche nach Künstler, Titel und Pressung auf einem Sammlermarktplatz gibt binnen Minuten eine realistische Spanne.
Nicht aussortieren, was unansehnlich wirkt. Staubige Hüllen und matte Oberflächen sagen wenig über den Zustand der Rillen. Eine Platte, die jahrzehntelang senkrecht und trocken stand, ist meist in Ordnung, auch wenn das Cover Flecken hat. Wirklich hin sind Platten mit Verwerfungen, tiefen Kratzern quer zur Rille oder Schimmel — und selbst dann ist das Cover für Sammler manchmal interessanter als die Platte.
Der Weg für die Platten, die niemand will
Vinyl ist Polyvinylchlorid, also PVC. Das macht die Entsorgung eindeutig und unspektakulär: Es ist Restmüll, Abfallschlüssel 20 03 01. Berlin Recycling formuliert es ausdrücklich so, dass die Restmülltonne „durchaus erlaubt" ist.
Empfohlen wird sie trotzdem nicht, und das hat einen sachlichen Grund. PVC enthält Chlor. Bei der Verbrennung entsteht daraus Chlorwasserstoff, der die Rauchgasreinigung einer Müllverbrennungsanlage zusätzlich belastet. In der Anlage wird das beherrscht, aber je mehr PVC im Restmüll steckt, desto aufwendiger ist es. Deshalb:
- Einzelne Platten: Restmüll, unproblematisch.
- Eine Kiste oder mehr: zum Wertstoffhof. Dort wird PVC als eigene Fraktion aussortiert, wo die Kommune das vorsieht.
- Nicht in die Wertstofftonne oder den Gelben Sack. Eine Platte ist keine Verpackung. In Berlin ist sie dort ausdrücklich ausgeschlossen, weil sie als Datenträger gilt.
Und nicht verbrennen. Nicht im Kaminofen, nicht im Garten, nicht im Grill. Bei den Temperaturen eines Haushaltsofens entstehen aus PVC Chlorwasserstoff und weitere Schadstoffe, ohne jede Rauchgasreinigung. Das ist der Unterschied zwischen einer Verbrennungsanlage und einem Ofen im Wohnzimmer.
Schellackplatten sind etwas anderes
Alles, was mit 78 Umdrehungen läuft und meist vor 1958 gepresst wurde, ist keine Vinylplatte. Schellackplatten bestehen aus Naturharz, Füllstoffen und Steinmehl und sind damit chemisch unproblematisch, aber mechanisch heikel: Sie sind sehr spröde und zerbrechen bei geringer Belastung in scharfkantige Scherben.
Für die Entsorgung heißt das: ebenfalls Restmüll, aber gebrochene Platten eingewickelt, damit sich bei der Abfuhr niemand verletzt. Zeitungspapier und ein Karton genügen.
Zwei Hinweise, die bei Schellack wichtiger sind als bei Vinyl. Erstens sind diese Platten erheblich schwerer, eine Kiste wird schnell unhandlich. Zweitens: Manche Schellackplatten sind historisch wertvoll, besonders frühe Jazz- und Opernaufnahmen und regionale Pressungen. Hier lohnt der Blick noch mehr als bei Vinyl, weil viel davon schon vernichtet ist. Archive und Spezialhändler nehmen Bestände an.
Hülle, Innenhülle und Beilagen
Die Platte ist nur ein Teil des Pakets, und die übrigen Teile gehen getrennte Wege:
| Teil | Wohin |
|---|---|
| Cover aus Pappe | Altpapier, auch das beschichtete. Bei beidseitig folierten Klappcovern entscheidet die eigene Trennliste. |
| Innenhülle aus Papier | Altpapier. |
| Innenhülle aus Folie oder gefüttert | Gelber Sack, wenn reine Folie; gefütterte Papier-Folie-Hüllen in den Restmüll. |
| Schutzhülle aus Kunststoff | Gelber Sack. |
| Textbeilage, Poster | Altpapier. |
| Schimmelige Hülle | Restmüll, nicht ins Altpapier und nicht weitergeben. |
Wer verkauft, lässt alles zusammen. Eine Platte ohne Originalhülle verliert erheblich an Wert, und Beilagen gehören für Sammler zur Vollständigkeit.
Was mit Upcycling wirklich geht
Schalen aus erwärmten Platten und Wanduhren aus Singles sind ein verbreiteter Vorschlag, und er hat einen Haken, den kaum jemand nennt: Beim Erwärmen von PVC über etwa 120 Grad entstehen Dämpfe, die man nicht einatmen sollte. Wer es trotzdem macht, arbeitet draußen oder bei weit offenem Fenster und hält die Temperatur niedrig. Der Backofen in der Küche ist dafür der falsche Ort.
Unproblematisch ist alles, was die Platte kalt lässt: als Wandbild aufhängen, als Untersetzer verwenden, das Cover rahmen. Letzteres ist ohnehin die Variante, die am besten aussieht, und sie erhält die Platte.
Häufige Fragen
Dürfen Schallplatten in den Restmüll?
Ja, das ist ausdrücklich erlaubt. Vinyl ist PVC und fällt unter 20 03 01, gemischte Siedlungsabfälle. Empfohlen wird es bei größeren Mengen trotzdem nicht: Das Chlor im PVC belastet die Rauchgasreinigung der Verbrennungsanlage. Einzelne Platten sind unproblematisch, bei einer Kiste ist der Wertstoffhof besser.
Gehören Schallplatten in den Gelben Sack?
Nein. Eine Platte ist keine Verkaufsverpackung, sondern ein Datenträger — in Berlin ist sie aus der Wertstofftonne ausdrücklich ausgeschlossen. In den Gelben Sack gehört nur die Schutzhülle aus Folie, wenn sie aus reinem Kunststoff besteht.
Sind meine alten Platten etwas wert?
Das hängt an Titel, Pressung und Zustand, nicht am Alter. Die großen Verkaufserfolge der Siebziger existieren millionenfach und bringen nichts. Gesucht sind Erstpressungen, Jazz, früher Soul, Krautrock, kleine Punk-Auflagen und gute Klassikpressungen. Eine Suche auf einem Sammlermarktplatz nach Künstler und Pressung gibt binnen Minuten eine Spanne, und ganze Sammlungen kaufen viele Plattenläden an.
Wie erkenne ich eine Schellackplatte?
An der Drehzahl und am Gewicht. Schellackplatten laufen mit 78 Umdrehungen, sind deutlich schwerer und dicker als Vinyl und klingen beim Anschlagen hart statt matt. Sie stammen meist aus der Zeit vor 1958. Vorsicht beim Tragen: Sie brechen leicht und scharfkantig.
Wohin mit dem Plattencover?
Ins Altpapier, auch wenn es bedruckt oder leicht beschichtet ist. Bei stark folierten Klappcovern entscheidet die Trennliste deiner Kommune. Schimmelige Hüllen gehören in den Restmüll, nicht ins Altpapier und erst recht nicht in eine Spendenkiste. Wer die Platte verkauft, lässt Cover und Beilagen dran — ohne Originalhülle sinkt der Wert erheblich.
Kann man Vinyl recyceln?
Technisch ja, im Haushaltskreislauf praktisch nicht. PVC lässt sich einschmelzen, aber die üblichen Sortieranlagen trennen Schallplatten nicht als eigene Fraktion aus, und das Etikett aus Papier sowie Füllstoffe stören. Wo eine Kommune eine Kunststofffraktion am Wertstoffhof führt, ist das der bessere Weg als die Restmülltonne. Die wirksamste Verwertung bleibt der Weiterverkauf.
Wo gilt das bei dir?
Was in die Restmülltonne darf, regelt jede Kommune etwas anders. Der Wertstoffhof deines Kreises nimmt im Zweifel auch das an, was die Tonne stehen lässt.
Du musst deinen Landkreis nicht kennen, die Suche findet auch deine Stadt oder Gemeinde. Oder gleich zur Übersicht aller Kreise. Verbindlich bleibt die Abfallsatzung deines Kreises, die Annahmestellen kommen aus OpenStreetMap.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Schallplatten entsorgen
- Abfallverzeichnis-Verordnung, Anlage zu § 2 Absatz 1
- Kreislaufwirtschaftsgesetz § 20
Kommunale Satzungen können abweichen, verbindlich ist die Abfallsatzung deines Landkreises.