Kurz gesagt
- Für Altreifen gibt es keine gesetzliche Rücknahmepflicht. Handel und Werkstatt nehmen sie freiwillig, gegen Entgelt.
- Üblich sind rund 5 Euro je Pkw-Reifen ohne Felge, mit Felge mehr.
- Die Felge vorher ziehen. Bei großen Reifen ist der Unterschied dreistellig.
- Deponieren ist verboten, § 7 Absatz 1 Nummer 5 Deponieverordnung. Deshalb kostet die Abgabe überhaupt etwas.
- Nicht jeder Wertstoffhof nimmt Reifen, oft nur die großen Standorte, und meist höchstens vier Stück.
Es gibt keine Rücknahmepflicht, und das erklärt den Preis
Bei Batterien nimmt der Handel kostenlos zurück, bei Elektrogeräten ebenso, beim Altöl sogar samt Ölfilter. Beim Reifen ist das anders: Es gibt in Deutschland keine Vorschrift, die einen Händler verpflichtet, deinen alten Reifen anzunehmen. Was es gibt, ist gelebte Praxis. Wer neue Reifen kauft oder montieren lässt, wird die alten in gleicher Zahl beim selben Betrieb los, meist gegen eine kleine Entsorgungspauschale, die oft schon im Montagepreis steckt.
Weil die Rücknahme freiwillig ist, gilt sie auch nur beim Kauf. Wer vier Reifen aus der Garage bringt, ohne dort etwas zu kaufen, hat keinen Anspruch, und viele Betriebe lehnen dann ab oder verlangen mehr. Das ist der eigentliche Unterschied zu fast allem anderen auf dieser Seite: Beim Reifen verhandelst du, du berufst dich nicht auf ein Gesetz.
Wohin damit
Reifenhandel und Werkstatt
Der einfachste Weg, und beim ohnehin anstehenden Wechsel der günstigste. Die alten Reifen bleiben gleich dort, wo die neuen aufgezogen werden, das Abziehen von der Felge macht der Betrieb im selben Arbeitsgang. Wichtig ist nur, das vorher anzusprechen, damit die Entsorgung im Angebot steht und nicht hinterher als Überraschung auf der Rechnung.
Wertstoffhof
Fast überall möglich, aber mit drei Einschränkungen, die man vorher kennen sollte. Erstens kostet es: Der Landkreis Limburg-Weilburg nimmt Pkw- und Kraftradreifen 2026 für 5,00 Euro das Stück. Zweitens ist die Menge begrenzt, dort auf höchstens vier Stück je Anlieferung. Drittens nimmt nicht jeder Standort Reifen an: Beim Zweckverband Abfallwirtschaft Donau-Wald gehen sie ausschließlich an die großen Recyclingzentren, nicht an die kleineren Recyclinghöfe. Welche Stellen dein Kreis betreibt, steht in der Übersicht nach Landkreisen.
Entsorgungsfachbetrieb
Für größere Mengen, für Traktor- und Lkw-Reifen und für alles, was aus einer Werkstattauflösung stammt. Ob ein Betrieb wirklich zertifiziert ist, erkennst du am Überwachungszeichen nach § 56 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Es nennt die zertifizierte Tätigkeit und die ausstellende Organisation, und es ist auf höchstens 18 Monate befristet. Ein Zertifikat, das älter ist, ist keines mehr, und das ist bei Altreifen kein formaler Punkt, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Die Felge macht den Preis
Reifen werden zerkleinert und in ihre Bestandteile getrennt. Eine Stahlfelge stört diesen Weg massiv, sie muss vorher heraus, und diese Arbeit zahlt der Anlieferer. Wie deutlich das durchschlägt, zeigt die Gebührenliste des Zweckverbands Abfallwirtschaft Donau-Wald für 2026:
| Reifenart | ohne Felge | mit Felge |
|---|---|---|
| Pkw, Off-Road, Motorrad | 5,00 € | 7,00 € |
| Leicht-Lkw, Industrie, Traktor unter 24 Zoll | 8,00 € | 12,00 € |
| Lkw und Traktor, 24 bis 36 Zoll | 33,00 € | 119,00 € |
Beim Pkw-Reifen sind das zwei Euro, beim großen Traktorreifen das Dreieinhalbfache. Wer ein Fahrzeug abmeldet und die Räder komplett am Hof abgibt, zahlt für den Komfort also spürbar. Das Abziehen kostet beim Reifendienst meist deutlich weniger als die Differenz, und die Felge selbst ist danach kein Abfall mehr, sondern Altmetall und wird kostenlos angenommen oder sogar vergütet.
Nicht jede Preisliste unterscheidet. Limburg-Weilburg nimmt Pkw-Reifen mit und ohne Felge zum selben Preis von 5,00 Euro, Donau-Wald staffelt. Ein Blick in die Gebührenliste des eigenen Kreises entscheidet also, ob sich das Abziehen überhaupt lohnt. Bei großen Reifen lohnt es fast immer.
Warum Reifen nicht auf die Deponie dürfen
Weil es ausdrücklich verboten ist. § 7 Absatz 1 Nummer 5 der Deponieverordnung nennt „ganze oder zerteilte Altreifen" unter den Abfällen, die auf keiner Deponie der Klassen 0, I, II oder III abgelagert werden dürfen; Absatz 2 nimmt sie auch von der Klasse IV aus. Reifen sind also einer der wenigen Alltagsabfälle, für die der billigste Weg von vornherein ausscheidet.
Der Grund liegt in ihrem Aufbau. Ein Reifen ist ein Verbund aus Gummi, Stahlcord und Textil, er verrottet nicht, er verdichtet sich nicht und er wandert im Deponiekörper mit der Zeit nach oben. Dazu kommt der Brandschutz: Reifenlager brennen schwer löschbar und über Wochen. Genau deshalb kostet die Abgabe Geld, obwohl der Reifen nach dem Abfallverzeichnis mit dem Schlüssel 16 01 03 nicht als gefährlicher Abfall gilt.
Was mit den Reifen passiert, und was nicht
Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie legt die Zahlen jährlich vor. 2024 fielen in Deutschland 533.000 Tonnen Altreifen an. 193.000 Tonnen davon wurden zu Granulat und Gummimehl verarbeitet, also mehr als doppelt so viel, wie in der Zementindustrie thermisch verwertet wurde. Das Granulat geht in Fallschutzböden, Bodenmatten, Dämmstoffe und Bauteile.
Interessanter ist die Lücke. Von rund 100.000 Tonnen ist der Verbleib unbekannt, das ist fast ein Fünftel des Aufkommens. Der Verband vermutet Exporte in Staaten außerhalb der EU, wo die Reifen unter schlechten Bedingungen verbrannt oder pyrolysiert werden, und fordert seit Jahren eine systematische Erfassung der Mengen und Verwertungswege. Für dich als Privatperson hat dieser Befund einen sehr praktischen Kern: Der auffällig billige Abholer mit Anzeige im Kleinanzeigenportal ist genau der Weg, über den Reifen aus der Statistik verschwinden. Ein Beleg über die Abgabe kostet nichts und ist die einzige Absicherung, die du hast.
Wann ein Reifen überhaupt Abfall ist
Nicht jeder abmontierte Reifen muss weg. Die gesetzliche Grenze steht in § 36 Absatz 3 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung: Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang mindestens 1,6 Millimeter tief sein, bei Klein- und Leichtkrafträdern genügt 1 Millimeter. Darunter ist der Reifen nicht mehr zulässig. Praktisch raten Fachleute bei Winterreifen schon deutlich früher zum Wechsel, weil die Haftung auf Schnee lange vorher nachlässt.
Das Alter liest du an der DOT-Kennzeichnung auf der Seitenwand ab: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Jahr, „2523" heißt also 25. Woche 2025. Gummi altert auch ungefahren, deshalb sind sehr alte Reifen selbst mit gutem Profil nur noch schwer weiterzugeben. Wer noch fahrbare Reifen loswerden will, verkauft sie am besten paarweise oder als Satz mit Foto der Seitenwand, dann sieht der Käufer Profil und DOT auf einen Blick. Alles darunter ist Abfall und geht den Weg, der oben beschrieben ist.
Was gerade nicht geht
- Restmüll. Ein Reifen passt weder in die Tonne noch in die Verbrennung des Hausmülls.
- Sperrmüll. Fast alle Kommunen schließen Altreifen von der Sperrmüllabholung aus, auch wenn sie sperrig sind.
- Am Feldrand, im Wald oder am Container abstellen. Das ist unerlaubte Abfallbeseitigung und wird als solche geahndet, siehe illegale Müllentsorgung.
- Verbrennen. Weder im Garten noch im Kaminofen. Reifenrauch enthält Ruß, Schwermetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Häufige Fragen
Muss der Reifenhändler meine alten Reifen zurücknehmen?
Nein. Für Altreifen gibt es keine gesetzliche Rücknahmepflicht. Beim Kauf neuer Reifen nehmen die meisten Betriebe die alten in gleicher Zahl gegen eine Pauschale mit, ohne Kauf besteht kein Anspruch.
Was kostet es, vier Autoreifen zu entsorgen?
Am Wertstoffhof liegt der Preis bei rund 5 Euro je Pkw-Reifen ohne Felge, also etwa 20 Euro für einen Satz. Mit Felge wird es je nach Kreis teurer, in manchen Gebührenlisten kostet es dasselbe.
Lohnt es sich, die Felge vorher abziehen zu lassen?
Beim Pkw-Reifen geht es um wenige Euro, bei großen Traktorreifen um sehr viel mehr: 33 Euro ohne gegen 119 Euro mit Felge. Die abgezogene Felge ist danach Altmetall und wird kostenlos genommen.
Darf ich Altreifen auf die Deponie bringen?
Nein. § 7 Absatz 1 Nummer 5 der Deponieverordnung schließt ganze und zerteilte Altreifen von allen Deponieklassen aus. Sie müssen verwertet werden, das ist der Grund für die Gebühr.
Nimmt jeder Wertstoffhof Altreifen an?
Nein. Manche Kreise nehmen sie nur an den großen Recyclingzentren an, und fast überall ist die Stückzahl begrenzt, häufig auf vier je Anlieferung. Vorher in der Gebührenliste des Kreises nachsehen.
Wo gilt das bei dir?
Zuständig ist dein Landkreis, und der regelt selbst, wo du das abgeben kannst. Wir haben die Annahmestellen aus allen 401 Kreisen und kreisfreien Städten gesammelt.
Du musst deinen Landkreis nicht kennen, die Suche findet auch deine Stadt oder Gemeinde. Oder gleich zur Übersicht aller Kreise. Verbindlich bleibt die Abfallsatzung deines Kreises, die Annahmestellen kommen aus OpenStreetMap.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Deponieverordnung § 7, Nicht zugelassene Abfälle
- Preisliste Recyclinghöfe und Recyclingzentren, gültig ab 1. Januar 2026PDF
- Preisliste des AWZ Beselich-Obertiefenbach, gültig ab 1. Januar 2026PDF
- Deutschen Altreifenrecyclern entgehen 100.000 Tonnen Altreifen jährlichPDF
- Kreislaufwirtschaftsgesetz § 56, Zertifizierung von Entsorgungsfachbetrieben
- Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung § 36, Bereifung und Laufflächen
- Abfallverzeichnis-Verordnung, Anlage zu § 2 Absatz 1
Kommunale Satzungen können abweichen, verbindlich ist die Abfallsatzung deines Landkreises.